So sieht er aus, der Narr in Mölln
So sieht er aus, der Narr in Mölln
und so sehe ich ihn
und so sehe ich ihn

EULENSPIEGEL lebt!

...und Corvus Leona ist ein Erwerbsbetrieb! ....

Wie uns amtlicherseits erklärt wurde, handelt es sich beim Musizieren nicht um ein Hobby. Das Musizieren findet nicht aus Freude an der Musik statt, nicht weil es einfach eine Leidenschaft der Beteiligten ist, sondern zum Zwecke des Broterwerbs.

Jedenfalls dann, wenn man/frau ein Empfänger staatlicher oder kommunaler Zuwendungen ist.

In diesem Falle scheidet die künstlerische Aktivität aus Freude an dieser aus, das sie potentiell Einnahmen generieren kann, die sich auf den Leistungsbezug auswirken.

Soweit so gut. Aber was bringt das mit sich?

Corvus Leona, als Unternehmen, ist also dadurch geprägt, dass die dort Beschäftigeten reich und berühmt werden wollen.

Dies nun also auch mit Förderung aus Steuergeldern? Denn aus dem „werden wollen“ wird nach Sichtweise des Sachbearbeiters ein „werden sollen“!

Eulenspiegel wird ja gerne von der Stadt Mölln vereinnahmt - auch wenn er sich in anderen Teilen unseres Landes ebenfalls getummelt hat. Er ist zwar nicht international aber immerhin interkommunal.

Hier, in den Wirkungsstätten redlicher Gemeindediener (oft wohl verbeamtete Menschen, die sich bis zur Trauerfeier keinerlei Sorgen um ihren Lebensweg machen müssen...) hat Till ein wundervolles Betätigungsfeld gefunden, welches den bekannten Streichen mehr als angemessen ist und nun des Wahnsinns bunte Blüten fröhlich treiben lässt. Was Wunder also, dass gerade in Mölln amtlicherseits die Verpflichtung des leistungsempfangenden Menschen, der künstlerisch aktiv ist, eine wohlhabende Berühmtheit zu werden, aus der Taufe gehoben wird?

Nun, lieber Till, was ist nun zu tun?

Klar, eine Buchhaltung muss her, denn ein Erwerbsbetrieb ist zu solcher verpflichtet und man weiß ja nie, wann der Wirtschaftsprüfer klopft. Da der leistungsempfangende Mensch nun ein amtlich anerkannter, selbstständiger Kunstwerker ist, dessen Aktivitäten der Reintegration in die erwerbstätige Gemeinschaft der Steuerzahler dient, muss er/sie dem Amt die finanziellen Aspekte dieser Tätigkeit melden - wegen der Leistungsbezugrelevanz.

Ach, aber leider, die Kunst ist oft eine brotlose...

Selten gründet man eine Band, schreibt ein Buch oder malt ein Bild, formt eine Skulptur - und folgenden Tages kennt einen alle Welt und die Tantiemen fließen munter auf das Kontokorrentkonto. Wäre das so, würden Abertausende von Leistungsempfängern ratzfatz aus dem Leistungsbezug heraus sein, dem Sachbearbeiter eine Nase drehen, Bankkunde auf den Caimans werden und Wohnsitz in Florida nehmen.

Aber halt: der staatlich oder kommunal geförderte Kunstwerker mit dem Ziel aus dem Leistungsbezug zu entkommen, muss natürlich eine Verpflichtung unterschreiben, nach Zielerreichung, nämlich reich und berühmt zu sein, im Lande zu bleiben um nun gerechterweise durch Abgaben, Steuern also, seinerseits zur Förderung weiterer Künstler beizutragen, damit diese der Landeskasse nicht mehr auf der Tasche liegen. Das aber nur am Rande.

Ein Unternehmen benötigt, je nach Ausrichtung, Arbeitsmittel. Im Falle des Unternehmens Corvus Leona gehören dazu: Flöten, Harmonicas, Saxophone, Akkordeon, Percusisioninstrumente, Gitarren aller Art und sonstige Saiteninstrumente, ein Keyboard, eine PA oder Gesangsanlage, Mikrofone, Kabel, Effektgeräte, Mikroständer, Gitarrenständer, Hard-und Software zum Aufnehmen der Werke, Papier natürlich, Drucker, Kopierer, angemessene Beleuchtung - nicht vergessen: die Buchhaltungssoftware und natürlich: ein Bandbus!

All dies kann, ja muss, beim Amt beantragt werden. Es gehört ja zur Geschäftsaustattung und soll dem, noch leistungsempfangenden, aber selbstständig Kunstwerkenden dazu dienen, schon bald den Sachbearbeiter nur noch in schattenhafter Erinnerung zu haben.

Nein! Nicht schattenhaft. Ehre, wem Ehre gebührt: wer sonst hat sich wohl jemals derart engagiert für das Fortkommen des Künstlers eingesetzt? Wer sonst wäre jemals auf die Idee gekommen, die komplette Bandausrüstung aus Steuergeldern zu finanzieren? Ich schlage also vor, eben diesen Sachbearbeiter als Band-, Road- und Konzertmanager zu engagieren. Vielleicht kann er auch gleich die lästige Buchhaltung übernehmen?

Also, liebe Musiker im Lande, die ihr Leitungen der steuerzahlenden Gemeinschaft erhaltet: macht euch auf den Weg in die geförderte Selbstständigkeit als Künstler!

Reicht eure Thomann-, Musikcenter- und sonstige Rechnungen ein: Benzingeld, Porto für den Versand von Demos, Telefonkosten für all die Nachfragen bei Veranstaltern und nicht vergessen den Bandbus zu beantragen!

Wie wollt ihr sonst mit all eurem Zeug zu eurem jeweiligen Arbeitsplatz gelangen?....

Gleiches gilt für Maler, Schriftsteller, Dichter, Bildhauer, Aktionskünstler, Schauspieler, Fotografen, ach und wohl noch für viele, viele mehr.

Ihr alle, wenn ihr Leistungsempfänger seid, tut das nicht wegen der Kunst, nicht aus Freude an der Sache, sondern nur aus einem Grund: ihr wollt Geld!

Damit ihr aufhören könnt, Gemeinde, Land und Staat anzubetteln, zumal dieses Geld doch dringend anderswo gebraucht wird. Denkt nur mal an die vielen Schlaglöcher nach dem langen Winter.

Aber der Weg ist nun gewiesen, Mölln sei Dank!....

Nur eines noch:

Das Problem mit dem reich und berühmt werden und damit der Befreiung aus dem Leistungsbezug sind ja nicht die Künstler - sondern das Publikum. Genauer: das fehlende Publikum.

Und natürlich: das zahlungswillige Publikum.

Parallel zu den bereits genannten Fördermöglichkeiten, sollten die verantwortlichen Ämter Fortbildungen und Workshops für das Publikum anbieten. Kleinkunstbühne statt Fernsehabend! Neue Hörgewohnheiten, nicht immer die gleiche Top 100-Brühe! Neue Sichtweisen: Graffiti statt Dürer! Mal was anderes lesen: Jady Mc T.Bird statt die Top-Ten-Belletristik im Spiegel oder Focus.

Nur so kommen wir weiter, nur so bekommen leistungsbeziehende Künstler, die potentiell Einnahmen generieren könnten, endlich die zahlungswilligen Foren, die den Weg aus der Abhängigkeit ebnen.

Also, lieber Till, das Fazit lautet: Corvus Leona, bzw. die in diesem Unternehmen Angestellten, sind nicht verantwortlich dafür, dass sie nicht reich und berühmt sind. Hier wurde und wird mit Amtshilfe alles getan, was nötig ist.

Es liegt einfach am Publikum, am fehlenden und zahlungsunwilligen.

Und dann? Corvus Leona wird Konkurs anmelden müssen. Wir werden Kurzarbeiterzulage beantragen.

Wir brauchen staatliche Unterstützung, da die Arbeitsplätze gefährdet sind. Warum sollen wir nicht haben, was durchgeknallten Banken und unwirtschaftlichen Autobauern zusteht? Oder soll ich etwa das Unternehmen nach Asien verlagern, um dort mit einem Sitarspieler und einer Bauchtänzerin weiter zu arbeiten? Wegen der geringeren Kosten?

Herzlichst und selbstherrlichst euer

J.C.

- z.Zt. selbsternannter Geschäftsfüher der Fa. Corvus Leona

Zum Schluß möchten wir noch unserer Solidarität mit Griechenland Ausdruck verleihen.

 

Mund-harmonisten
Mund-harmonisten

Ehrenämter sind auch Ämter , aber  dürfen sie sein ?

Und so wurde ich denn unlängst gebeten ein solches Ehrenamt wahrzunehmen, was mir zwar sehr zusagte, jedoch auch einigen Argwohn in mir wachrief. Warum? Nun, ganz einfach darum, weil in der schönen Stadt Mölln Menschen, die ihre Künste als Hobby betrachten, offenbar unerwünscht sind. So wurde mir denn von Amts wegen nahegelegt, ab sofort als freiberufliche Malerin, Musikerin und Schriftstellerin jeden Monat Buch zu führen über eventuelle Ausgaben und Einnahmen, die ich mit diesen, wie ich fälschlicher Weise annahm, Hobbys, erziele.

Nun ja, das Amt ( den Namen möchte ich aus verschiedenen Gründen unerwähnt lassen) möchte Geschriebenes, also soll es Geschriebenes bekommen. Ab sofort werde ich 6, in Worten sechs, Monatsabrechnungen, statt der bisherigen Einen, erstellen und den papiergierigen  Damen und Herren zusenden. Hoffentlich habe ich noch genügend Zeit übrig, meinem Broterwerb, wie auch meinen Künsten und dem Ehrenamt als  musikalische Begleitung des Möllner Mundharmonikaclubs nachzugehen.

Sollten sie längere Zeit nichts von mir lesen, hören oder sehen bin ich entweder mit dem Ausfüllen der Papiere beschäftigt oder verhungert.

Höflichst

Verbleibt bis dato ihre Jady Mc T. Bird

( sprich: Dschädi Mäck Tie Börd)